WALE UND DELFINE IN MAYOTTE – TAGESAUSFLUG MIT BOOT

WALE UND DELFINE IN MAYOTTE BEOBACHTEN

Es ist früh am Morgen – los geht’s zur Walsafari. Das Boot, oder besser die Nussschale, legte pünktlich um 8.45 Uhr an der Tauchstation an. Es gehört zu Lagon Aventure, eines der Unternehmen, die auf Mayotte Bootsausflüge zu Walen und Delfinen machen. Der Ausflug sollte bis ca. 16 Uhr dauern und kostete 70 Euro.
Zwischen Juli und Oktober werden in Mayotte viele Walmütter mit ihren Kälbern gesichtet, die den Schutz der Lagune aufsuchen.
Im Boot gab es zwei Reihen mit Sitzen, je fünf hintereinander, also passen – laut afrikanischer Rechnung – 13 Personen rein. Das Schiffchen liegt sehr tief und hat an den Seiten große Luftpolster, keine Ahnung, wie das in der Fachsprache heißt.
Das Meer hatte diesmal an mich gedacht, es war spiegelglatt. Trotzdem hatte ich zur Sicherheit Zintona dabei, meine Wunderwaffe gegen Seekrankheit, einfache Ingwertabletten, die nicht müde machen.
Ich freute mich, ganz vorne zu sitzen. Es stellte sich im Laufe der Fahrt heraus, dass das völlig wurscht ist, da sich einfach jeder direkt vor dich stellt, sobald ein Tier zu sehen ist.

Buckelwal in Mayotte

Unser Bootsführer, ich habe seinen Namen nicht mitbekommen und nenne ihn jetzt mal Jaques – ich finde er sieht aus wie ein Jaques – sagte, es sei nicht sicher, ob wir Wale treffen würden. Oktober ist ja schon eher Ende der Saison und er fährt auch einfach auf gut Glück los, wir werden sehen.

Vor drei Jahren hatte ich so eine Tour mal mit einer Organisation aus Mamoudzou, der Hauptstadt gemacht. Mayotte Decouverte hat auch mehrere Boote am Start, diese unterhielten sich aber während der Fahrt schon mal mit Funkgeräten, wo denn gerade was zu sehen ist. Allerdings starten die von der Hauptstadt aus, da war es diesmal schon bequemer für mich. Ich erlaube mir, die Fotos der beiden Safaris etwas zu mischen, da ich beide Male tolle Eindrücke gewonne habe.

Springender Wal in Mayotte

 

Es gibt strenge Regeln auf Mayotte, was die Walbesichtigungen angeht und ich muss sagen, dass sie ziemlich strikt eingehalten werden, meiner Erfahrung nach:

Bis zu 300 Metern entfernt

  • Alle Boote müssen sich von derselben Seite nähern
  • den Meeressäugern nie den Weg abschneiden
  • nähert sich ein Wal dem Boot, entkuppeln und Motor aus
  • nie Walmutter von ihrem Kalb trennen

Bis zu 100 Meter entfernt

  • Motor abstellen nicht mehr als 2 Boote in dieser Zone
  • weitere Boote müssen außerhalb dieser Zone auf derselben Seite warten
  • nicht länger als 30 min verweilen

Verhalten im Wasser

  • nicht mehr als 8 Leute gleichzeitig
  • alle sollen in dieselbe Richtung schwimmen
  • höchstens 15 min im Wasser bleiben
  • Anfassen verboten
Schwanzflosse eines Wals

 

Nach ca. zehn Minuten Fahrzeit entdeckte ich eine Fontäne neben einem weiteren Safari-Boot. Wir fuhren langsam näher und tatsächlich, da lag eine Walmutter mit ihrem Kalb. Wir fuhren vorsichtig ein wenig näher heran und stellten den Motor aus. Ruhig lagen sie da und wir hörten sie atmen. Irgendwann tauchten sie langsam ab. Wir fuhren vorsichtig weiter. Wenige Minuten später, wieder Wale. Und so ging das dahin, wir haben unglaublich viele Wale gesehen, wenige Meter neben uns. Jaques erklärte uns, es wären Buckelwale. Und dass sie nicht aus dem Wasser sprängen, wenn ein Boot so nahe kommt.
Allerdings ist mir vor drei Jahren da was anderes passiert, direkt neben uns sprang plötzlich eines dieser Riesentiere senkrecht aus dem Wasser und lies sich wieder hineinfallen, Gottseidank auf die Seite, die nicht von unserem Boot besetzt war. Ich hatte plötzlich eine andere Touristin auf dem Schoß, die vor Schreck einen Satz gemacht hatte und auf mich hüpfte. Komisch, dass sie nicht ihren Freund auf der anderen Seite gewählt hatte…

Jaques erklärte auf Nachfrage auch, dass man hier nicht mit Walen oder Delfinen schnorcheln könne, da die Sicht nicht gut genug ist und sie sich dann erschrecken könnten.
Vor drei Jahren habe ich allerdings genau das getan, zugegeben, man hat das Waljunge auf dem Grund eher erahnen können und die Mutter besser über Wasser gesehen. Ich bin also nicht sicher, ob es stimmt, dass sich die Tiere „erschrecken“ würden aufgrund der schlechten Sicht, ich schätze mal, so ein Wal kennt sich auch bei schlechter Sicht ganz gut aus

Buckelwal vor einem Safariboot

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Das andere Boot war plötzlich ziemlich nahe an den Walen, allerdings hatten sie den Motor auch aus und der Wal hatte sich da einfach vor sie geschoben. Wir tranken schwarzen, starken Kaffee und beobachten diese Meeresriesen. Es war ein bisschen absurd, einige Meter neben den Buckelwalen einen Kaffee zu schlürfen, bisschen wie in einem Live-Kino.

FLECKENDELFINE UND GROSSE TÜMMLER

Nachdem wir ausgiebig Wale beobachtet hatten ging es ans Außenriff, um nach Delfinen Ausschau zu halten. Wieder sah ich zwei Boote in der Ferne und daneben etwas springen. Also nix wie hin. Und tatsächlich, da waren Delfine. Was heißt Delfine, das waren Massen von Delfinen, die sich brav zwischen den drei Booten aufteilten. Jaques meinte, es wären ungefähr 200 Delfine. Das Wasser brodelte, überall sah man Flossen und graue Körper, die sich neben dem Boot, vor dem Boot, unter dem Boot und gefühlt über dem Boot tummelten. Sie sprangen und hatten riesigen Spaß, mit dem Sog des Bootes zu spielen. Man musste teilweise die Füße einziehen, die man über den Bootsrand hängen lies. Es war ein unglaubliches Schauspiel. Es waren wohl Streifendelfine aus der Delfine der Fleckendelfine, die oft in großen Schulen unterwegs sind.

Streifendelfine auf Mayotte

Wir verließen schweren Herzens die quirligen Tiere und steuerten eine Sandbank an,
l’ile de sable blanc.
Wir verweilten 20 Minuten auf der romantischen Insel, man lustwandelte auf dem weißen Sand –ich war im Wasser. Schnorcheln ging schlecht, da es gerade Ebbe war und die Korallen dicht unter der Wasseroberfläche standen, aber im türkisblauen Wasser zu baden ist ja auch ganz schön.

Delfin-Schule

Dann ging es weiter, Delfine suchen. Auf dem Weg sahen wir eine Schildkröte, die holte hier aber niemanden hinter dem Ofen vor, dazu sind wir zu verwöhnt vom Strand N’Gouga. Wer aufmerksam schaut, kann viele kleinere Tiere beobachten, eine Möwe, die auf einem kleinen Treibgut Platz genommen hatte, fliegende Fische, die neben uns übers Wasser flogen und ein großer Thunfisch (sagte Jaques!), der aus dem Meer sprang. Und – wieder ein Wal! Diesmal ohne Junges. Wir hielten wieder an und schalteten den Motor aus, bis der Wal weiterschwomm.

Dann, einige Minuten später, eine Gruppe von ungefähr sieben großen Tümmlern. Sie hatten ein ganz anderes Verhalten als die kleineren Delfine von vorhin. Tümmler sind in wesentlich kleineren Gruppen unterwegs. Sie wirbelten nicht so durchs Wasser, wirkten bedächtiger. Majestätisch schwammen sie neben unserem Boot her. Plötzlich fing Jaques an, Gas zu geben und im Kreis zu fahren, ich dachte noch: Was macht der denn, der verjagt sie ja! Dann sah ich es, ind en entstehenden Wellen fingen die Tümmler an zu „surfen“, sie stellten sich alle nebeneinander und schwammen quer zur Welle. Das sah irre aus. Immer wieder kamen sie zu uns und schwammen in der entstehenden Welle. Wie unterschiedlich sich doch die verschiedenen Delfin-Arten verhalten.

 

Fleckendelfine

Es war jetzt schon früher Nachmittag und wir steuerten eine Bucht an – Lunchtime. Ich muss jetzt nicht unbedingt mit Fremden in einer Bucht essen, aber das gehörte nun mal zum Programm. Und das Hühnchen mit Reis in Tomaten-Papaya-Sauce war echt lecker. Auch der Punsch mit Rum und schaumiger Kokosmilch war köstlich. Der Strand war allerdings total verdreckt, Jaques sagte, das läge an der momentanen Strömung, die bringt den Dreck vom Meer an den Strand. Da immer noch Ebbe war, konnte man hier auch nicht schnorcheln und bei dem Meeresmüll hatte auch gar keiner Lust. Aber umsonst wollten wir unsere Schnorchelausrüstung ja auch nicht mitgenommen haben, also fuhr uns Jaques zu einem Riff ein bisschen weiter draußen und – endlich – durften wir ins Wasser.

Hier kam uns jetzt die Ebbe zugute, wir konnten dicht über die Korallen schwimmen und die schöne Unterwasserwelt genießen.

Zurück im Jardin Maoré genoss ich auf meiner Terrasse bei einem Wodka-Ananas-Cocktail aus meinem Kühlschrank die Fotos dieses wunderschönen und erfolgreichen Ausflugs.

Tipps für Wal- und Delfinbeobachtungen – mitnehmen:

  • Wasser
  • Ersatzbatterie bzw. Akku für Kameras
  • Schnorchelausrüstung
  • Sonnencreme
  • Zintona
  • Bargeld für Lagon Aventure
  • Geduld

 

 

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